NATIONALPARK STILFSERJOCH PARCO NAZIONALE DELLO STELVIO
Radtag
Amt für den Nationalpark Stilfserjoch
in Glurns
Tel. +39 0473 830430
nationalpark.stilfserjoch@provinz.bz.it

FLORA UND FAUNA

Kälte, Sturm, intensive Strahlung oder Dauerdunkel unter Schnee …
wer kann unter solchen Bedingungen leben? Pflanzen und Tiere haben erstaunliche Strategien entwickelt, um im Hochgebirge zu überleben.

Gletscherhahnenfuß und Alpenglöckchen sind unter dem Schnee gut geschützt. Ihre Blütezeit beginnt, wenn der Schnee soweit abgeschmolzen ist, dass die Sonnenstrahlen zum Boden gelangen. Nur so kann der Gletscherhahnenfuß in einer höheren Lage leben als jede andere Blütenpflanze. Er ist mit 4.275 m Höhenrekordhalter in den Alpen. Die lilafarbenen Blüten des Alpenglöckchens zeigen sich bereits während der Schneeschmelze. Durch ihre auffallend leuchtende Blütenfarbe lockt die Mehlprimel vermehrt bestäubende Insekten an. Die Silberwurz bildet wurzelnde Decken auf dem Schutt.

Das Murmeltier legt im Spätsommer einen Heuvorrat an und fällt dann für sechs bis sieben Monate in einen Winterschlaf. Sein Energiebedarf wird über das Fett gedeckt, das reichlich angefressen wurde. Der Alpensteinbock zählt zu den vorzüglichsten Kletterern unter den Alpentieren und kann meterweit springen. Auch die Kletterkünste der Gämsen sind kaum zu überbieten. Sie können ihre scharfkantigen Hufe spreizen und finden so auf den Felsen zusätzlichen Halt.

Aus aktuellem Anlass:

Gamsblindheit im Nationalpark Stilfserjoch

Bei Gämsen im Nationalpark Stilfserjoch im Gebiet des Chavalatschs wurde Gamsblindheit festgestellt. Die Tiere sind an verschmierten und/oder trüben Augen zu erkennen. Sollten Sie bei ihren Wanderungen auf Gämsen stoßen, die auf geringe Distanz nicht fliehen, könnte es sich um ein erblindetes Tier handeln. Bitte lassen sie die Tiere in Ruhe. Bei Fluchtversuchen könnte es nämlich passieren, dass die Tiere abstürzen. Gämsen können sich von einer vorübergehenden Erblindung wieder erholen.

Eventuelle Sichtung blinder Gämsen melden Sie bitte telefonisch an das Amt für den Nationalpark Stilfserjoch unter der Nummer 0473/ 830430.

Zitat aus einem Beitrag von Marie-Pierre Ryser in der Zeitschrift Forum: Die Gämsblindheit oder infektiöse Keratokonjunktivitis der Caprinae1) ist eine weltweit vorkommende Erkrankung, die sowohl Haustiere wie Schafe und Ziegen als auch Wildtiere befällt, insbesondere Gämsen und Steinböcke in den Alpen und den Pyrenäen. Die Krankheit ist gekennzeichnet durch Augenveränderungen, die sich auf eine Bindehautentzündung (oder Konjunktivitis im Fachjargon) beschränken kann. In einigen Fällen kann sich aber diese Bindehautentzündung zu einer vorübergehenden Hornhautentzündung (Keratitis) verschlimmern, bis hin zur irreversiblen Erblindung nach Hornhautdurchlöcherung und «Auslaufen» des Auges. Meistens werden beide Augen betroffen. Ein Leitsymptom der Krankheit ist der Tränenfluss, der mit zunehmenden Augenveränderungen auch schwerer und auffälliger wird. Verschiedene Untersuchungen inklusive ein Infektionsversuch haben gezeigt, dass das Bakterium Mycoplasma conjunctivae der Haupterreger der Gämsblindheit ist. Mykoplasmen sind kleine Mikroorganismen, die nicht lange in der Umwelt überleben können. Die Übertragung erfolgt durch Wechselwirkungen über kurze Distanz, wie direkten Tierkontakt und möglicherweise auch durch Fliegen, die sich von Tränenflüssigkeit ernähren.

1) Caprinae: Ziegenartige Tiere wie Schafe, Ziegen,Steinböcke und Gämsen

 

 

 

 

DeutschItalianoEnglish